Jeder Anlagebesitzer kennt das Problem: Durch den Niederschlag von Staub auf die Schienen leidet der Fahrbetrieb unter Störungen, die auf die Stromaufnahme zurückzuführen sind. Für einen reibungslosen Fahrbetrieb ist das regelmässige Reinigen der Schienen unerlässlich.

Von Urs Hänl

Besuch ist angesagt. Im Laufe des Abends dreht sich das Gespräch auch um das Hobby des Hausherrn, und schon aus reiner Freundlichkeit will man dem Hausherrn die Ehre zukommen lassen, die selbstgebaute Anlage im Keller oder Estrich zu bewundern. Nachdem die vielen Details genau unter die Lupe genommen wurden, wollen Herr und Frau Besucher das Kunstwerk in Aktion sehen. Also stöpselt der Gastgeber den Stecker rein, öffnet die Signale und dreht den Regler am Trafo auf. Nichts passiert! Sofern zugänglich, wird dem vor-bildgetreuen Intercity mit einem Schubs auf die Sprünge oder zur Fahrt verholfen. Anlaufschwierigkeiten nennt man das. Doch auch in der Fortsetzung flackert die Frontbeleuchtung nervös wie auch in den Innenräumen der Wagen. Die Fahrt verläuft nur stockend, und ausgerechnet im langen Taleinschnitt, wo die Zugäng-lichkeit besonders schwierig ist, steht die Zugskomposition wieder still. Vorführeffekt! heisst das Stichwort dann, aber eigentlich sind lediglich die Shienen und die Räder der Fahrzeuge verschmutzt. Die Enttäuschung des Vorführenden ist gross, den die Besucher haben sich nur halbwegs für das Hobby des Gastgebers erwärmen können.
Die Hersteller erkannten das Problem schnell und brachten Reinigungswagen, Reinigungsgummi, Schmirgeltücher, drehende Drahtbürsten und sogar

elektronische Lösungen für saubere Schienen auf den Markt. Doch die sprit-getränkten Gazen der Reinigungswagen standen an Schienenstössen, Radlenkern oder Weichenzungen an und wurden dadurch entweder schnell zerstört oder die Wagen entgleisten. Alle Reinigungs-methoden, die mit Handarbeit verbunden sind, verlangen dass die Gleise der Anlage überall gut zugänglich sind, also auch in den Tunnels. Praktiker wissen, wovon ich rede. Von ungenügend bis befriedigend ist am Markt alles vertreten.
Geniale Lösungen beeindrucken meist durch ihre Einfachheit, und das gilt auch für die hier vorgestellte Variante. Wie so manches fürs Modellbauhobby kommt auch dieses Putzwunder von ennet dem grossen Teich: Centerline Rail Cleaner heisst das Ding und kommt von Centerline Products aus Marengo in Illinois, USA. Wer den Wagen zum ersten Mal sicht, muss zweimal hinschauen: So einfach kann die Lösung kaum sein. Doch die Praxis zeigt etwas anderes. Der Reinigungswagen besteht aus einem Messingklotz, in dem in der Mitte eine viereckige Öffnung ausgefräst ist. An den Enden des Klotzes sind Drehgestelle und Kupplungen angebracht. In die viereckige Öffnung gehört die Reinigungsrolle, die zur Beschwerung mit alten Schrauben, Muttern, Unterlags-scheiben oder mit Bleikügelchen gefüllt wird. Die Reinigungsrolle «treibt» einfach lose in der Öffnung, ohne Führung durch Lager. Genau das ist der entscheidende Punkt. Durch diese Lösung entspricht die Drehung der Rolle nicht immer der Fahrgeschwindigkeit, wodurch der reinigungseffekt auf dem Gleis entsteht. Das Gleis wird sehr schonungsvoll gereinigt, weil die Rolle mit einem entsprechenden Tuch (für die Spuren N und H0) oder mit einem fellähanliche

Belag wie den Dispersion-rollen der Maler ausgestattet is (Spuren 0 bis G). Es entsteht kein Aufrauhen der Gleisoberfläche und damit keine schmutz-empfindlichen Poren. Zudem werden die nachfolgenden Wagenräder ebenfalls gereinigt.
Die Reinigungsrolle wird mit einer Reinigungsflüssigkeit getränkt. Dabei ist es wichtig, dass keine schnellflüchtigen Mittel wie Trichlor oder ähnliches verwendet werden, weil der Reinigungs-effekt damit schnell aufgehoben wäre. Empfehlenswert ist das Modellbahnöl SR24 von Herkat (Bestellnummer 2726). Ein Praktiker und Besitzer einer Spur-0-Anlage erzielt gute Resultate mit einer selbstgebrauten Mixtur aus Reinbenzin (auch Wundbenzin genannt) und Petrol. Am besten seizt man den Reinigungs-wagen hinter die Lok, giesst ein paar Tropfen vom Reinigungsmittel auf die bewegliche Rolle und fährt los. Dieser Prozess sollte öfter wiederholt werden, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Sind die Rollen stark verschmutzt, können bei den kleineren Spurweiten die Reinigungslappen ersetzt werden, und die Fellrollen der grösseren Spuren lassen sich einfach in der Waschmaschine waschen.
Das Putzwunder von Centerline Products ist in allen Spurweiten von N bis I lieferbar. In Spur N ist der Wagen mit der Standard- oder Kadee-Kupplung, in H0 mit Kadee- oder Hakenkupplung und in Spur 0 mit der Kadee-, der US-Tinplate- oder mit Buco-Kupplung erhältlich. In Spur I ist er mit einer Knuckle- und für IIm mit LGB-Kupplung erhältlich.

 

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